Infektionskrankheiten

Viele Infektionskrankheiten stellen auch heute noch wichtige Krankheitsursachen für den Hund dar. Eine erfolgreiche Therapie der durch Viren und Bakterien hervorgerufenen Infektionskrankheiten ist sehr aufwendig, so dass der Impfung ein wichtige Rolle zur Bekämpfung zukommt.

Die Tollwut

Die Tollwut ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die auch den Menschen befallen kann. Diese Infektion verläuft bei Mensch und Tier ausnahmslos tödlich! In Europa ist der Fuchs der epidemiologische Träger der Tollwut, und der Hund kann sich durch Kontakt mit einem infizierten Wildtier infizieren. Die so infizierten Hunde stellen eine große Gefahr für den Menschen dar.

Hunde werden gegen die Tollwut seit vielen Jahren erfolgreich geimpft, und in den letzten Jahren wurden auch die Fuchspopulationen mit ausgelegten Ködern geimpft. Dies alles hat dazu geführt, daß die Tollwut in Deutschland sehr selten ist, und daß die Gefährdung des Menschen entsprechend gering ist. Dennoch muß eindringlich darauf hingewiesen werden, daß die Impfung der Hunde gegen Tollwut die wichtigste Impfung ist, die der Hund bekommen muß! Zwar besteht in Deutschland keine Impfpflicht, jedoch wird durch das Tierseuchenrecht die regelmäßige Impfung der Hunde insofern gefördert, als "Hunde mit einem Impfschutz" (d. h. solche Hunde, die nachweislich innerhalb des letzten Jahres geimpft worden sind) anders behandelt werden, als solche ohne Impfschutz. Hat ein geimpf- ter Hund Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Fuchs, wird er unter Beobachtung gestellt, ein nicht geimpfter Hund muß getötet werden.

Parvovirose (Katzensäuche)

Die heute bedeutendste virale Infektionskrankheit des Hundes ist die Parvovirose, eine Erkrankung, die vor allem das Immunsystem und den Darm des Welpen betrifft. Die Krankheit verläuft akut und heftig, so daß unbehandelte Hunde innerhalb weniger Tage verenden können.

Das Virus wird von erkrankten Tieren in großer Menge ausgeschieden und kann, da es sehr stabil ist, leicht indirekt über beschmutzte Gegenstände in den Zwinger eingeschleppt werden. Gegen die Parvovirose sind wirksame Impfstoffe verfügbar, die bei korrekter Anwendung verläßlich eine Infektion der Welpen verhindern. Ein großes Problem liegt darin, den richtigen Zeitpunkt der Erstimpfung zu bestimmen, denn nicht nur eine zu späte Impfung, sondern auch eine zu frühe Impfung kann wirkungslos sein, wenn die Welpen einen guten Schutz durch mit der Milch aufgenommene Antikörper der Mutter haben. In Zwingern, in denen in der Vergangenheit die Parvovirose nicht aufgetreten ist, hat sich eine Impfung in der 8. Lebenswoche und in 12. Lebenswoche bewährt. In Zwingern, in denen die Parvovirose ein Problem darstellt, sollte zunächst der Impfstatus des Muttertieres bestimmt werden, und darauf basierend individuell der optimale Zeitpunkt für die Erstimpfung der Welpen abgeschätzt werden. Dies könnte bedeuten, daß früher (ab der 6. Lebenswoche) und gegebenfalls auch häufiger, z. B. wöchentlich, geimpft werden muß. Begleitet werden muß hier das Impfprogramm aber immer von sorgfältigen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen.

Staupe

Die Staupe ist die zweite wichtige virale Infektionskrankheit des Hundes, die sich aber biologisch in vielerlei Hinsicht von der Parvovirose unterscheidet. So ist das Krankheitsbild verschieden, die Staupe betrifft vor allem den Atmungstrakt und das Nervensystem, und die Übertragung erfolgt praktisch ausschließlich durch direkten Tierkontakt. Das heißt, ein Welpe kann sich nur durch einen Staupevirus infizierten, meist kranken, Hund anstecken.

Problematisch ist, daß das Virus (wenn auch selten) von einem infizierten, gesund erscheinenden Tier über einen längeren Zeitraum ausgeschieden werden kann. Auch gegen die Staupe sind wirkungsvolle Impfstoffe verfügbar, die bei regelmäßiger Anwendung verläßlich schützen. In besonders gefährdeten Zwingern besteht die Möglichkeit, die jungen Welpen (6. Lebenswoche) mit einem Masernimpfstoff zu impfen, und sie dadurch zu einem sehr frühen Zeitpunkt gegen die Staupe zu schützen.

 

Leptospirose

Die Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung, die auch beim Menschen beobachtet wird. Verschiedene Serovare sind beschrieben, und gegen die beiden häufigsten wird der Hund auch geimpft.

Eine Krankheit wird fast ausschließlich bei nicht geimpften Hunden gesehen. Kranke Tiere scheiden die Erreger wochen- oder monatelang im Urin aus. Epidemiologisch wichtig ist, daß Wildnager, Ratten und Mäuse, häufig infiziert sind, und durch den erreger- haitigen Urin die Umwelt (stehende Gewässer) verseuchen. Hier kann sich auch der Mensch anstecken. Eine direkte Infektionskette Hund - Mensch ist dagegen nicht oder nur in seltenen Ausnahmefällen beschrieben.

Ansteckende Leberentzündung

Die ansteckende Leberentzündung oder Hepatitis contagiosa canis (HCC) wird durch das canine Adenovirus Typ 1 (CAV-1) hervorgerufen. Es verursacht eine Erkrankung, die vor- nehmlich durch Leber- und Nierenschäden gekennzeichnet ist. Diese Erkrankung wird beim Hund nur noch sehr selten beobachtet, eine Umfrage in Untersuchungslabors erbrachte den Nachweis von CAV-1 in nur etwa fünf Fällen innerhalb der letzten zehn Jahre.

Das Verschwinden des Virus ist wahrscheinlich auf die wirksame Impfprophylaxe zurückzuführen, die in den letzten ca. 20 Jahren durchgeführt wurde. Trotzdem ist es sinnvoll, die Impfung beizubehalten, um ein Wiederauftreten dieses Virus zu verhindern.

 

Zwingerhusten

Zwingerhusten stellt einen Symptomen komplex dar, der als sogenannte Faktorenkrankheit neben Infektionserregern auch entscheidend von Umweltbedingungen, das heißt Haltungsbedingungen, beeinflußt wird. Diese Erkrankung betrifft vor allem große Zuchten mit vielen Zuchthündinnen.

Als wichtige Erreger sind eindeutig das canine Parainfluenzavirus und das Bakterium Bordete//a bronchisepticum identifiziert worden. Diese Erreger verursachen in der Regel nur eine schwache Infektion, die oft Unbemerkt bleibt. Kommen jedoch außergewöhnliche Stressfaktoren, wie z. B. eine hohe Tierdichte, Ausstellungen, Transporte hinzu, kann die Krankheit ausbrechen und ernste Probleme bereiten. Eine Impfung gegen diese Erreger ist möglich, aufgrund der komplexen Entstehung dieses Krankheitskomplexes jedoch nicht immer in einem befriedigenden Maße wirksam. In großen Zuchten oder Problemzwingern ist eine Impfung gegen den Zwingerhusten zu empfehlen, für Einzeltiere in optimaler Haltung ist sie sicherlich entbehrlich.

 

Quelle: www.hundekosmos.de