Erste Hilfe

Scheint ein Herzkreislaufstillstand gerade erst eingetreten zu sein, können wir eine Reanimation durch Herzmassage und Beatmung versuchen. Zur Herzmassage liegt der Hund auf der rechten Seite. Die Vordergliedmaße wird etwas gebeugt und nach hinten geschoben. Durch Druck auf den Ellbogen kann nun Druck auf das Herz ausgeübt werden. Der Druck sollte nicht mit roher Gewalt, aber kurz und kräftig durchgeführt werden. Die Hand bleibt dabei auf dem Hund liegen und wird nicht abgehoben. Mit der linken, flachen Hand drücken wir auf den Bauch, unterhalb der Wirbelsäule. Hier verläuft die große hintere Hohlvene (V. cava caudalis), welche Blut zum Herzen zurückführt. Der Druck auf die Vene sollte immer abwechselnd zur Herzmassage stattfinden. Anders als beim Menschen, gibt es keinen festen Rhythmus, in welchem sich Herzmassage und Beatmung abwechseln sollen. Man sollte aber immer 1-2 Atemzüge beatmen und dann mit der Herzmassage beginnen, da sonst das aus der Lunge transportierte Blut keinen Sauerstoff transportieren kann.

Selbst mit Hilfe von Medikamenten und moderner Technik ist die Prognose bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sehr schlecht, trotzdem sollte man nicht vergessen, hin und wieder zu prüfen, ob das Herz selbst schlägt...

Beim Sterben setzt zuerst die Atmung, dann der Herzschlag aus. Wenn wir Atembewegungen sehen, muß also das Herz schlagen, auch wenn wir den Puls/Herzschlag nicht finden.

Finden wir nur den Herzschlag und können keine Atembewegung feststellen, muß der Hund beatmet werden. Dazu zieht man die Zunge leicht vor und klemmt sie zwischen die Schneidezähne. Das Maul wird mit Hilfe der Lefzen luftdicht verschlossen und, je nach Größe des Hundes mit 1-2 Händen umfaßt. Mit dem Mund umfaßt man die Nase beatmet den Hund. Dabei muß der Kopf leicht nach vorne gestreckt werden, um die Atemwege möglichst frei zu halten. Man sitzt dabei vor dem Hund und kann so beim Beatmen die Brustwandbewegung beobachten. Zusammen mit dem Beatmungsdruck gibt diese Bewegung Auskunft über ein angemessenes Atemvolumen. Die Atemfrequenz sollt, je nach Größe des Tieres zwischen 10-20 Atemzügen pro Minute liegen. Größere Tiere haben eine niedrigere Frequenz.

Den Erfolg unserer Bemühungen können wir schnell an der sich vom lila-blau (cyanotisch) nach rosa verfärbenden unpigmentierten Mundschleimhaut sehen. Zwischendrin sollten wir, unter Beobachtung der Schleimhautfarbe, immer wieder eine Pause machen, die Herzfunktion überprüfen und beobachten, ob der Hund evtl. wieder selbständig atmet.

Wesentlich schlechter sind unsere Chancen, wenn wir bei unserem Patienten weder Atem- noch Herzbewegungen finden können. Durch Druck auf die unpigmentierte Mundschleimhaut können wir die Blutversorgung der äußeren Körperregionen feststellen. Bei dieser Probe leeren wir durch Druck auf die Schleimhaut die feine Blutgefäße. Bei gutem Kreislaufzustand füllen diese sich in weniger als einer Sekunde (kapilläre Füllungszeit) wieder mit Blut und der weiße Fleck wird rosa. Dauert es länger als 2 Sekunden, wissen wir, daß sich das Tier in einem sehr schlechten Kreislaufzustand befindet und dringen Hilfe braucht.

Merke:

Starke Blutungen können zu lebensbedrohlichen Blutverlusten führen und müssen gestoppt werden. Sterilität spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da am lebenden Hund die Wunden auch wieder gereinigt werden können ... Um einen erneuten >Blutfluß zu erkennen (außer beim Druckverband) sollte der Hund immer auf die Gesunde Seite gelegt werden.

Ausnahme: Durch Verletzungen der Brustwand kann die Brusthöhle eröffnet worden sein. Diese Verletzungen sollten möglichst luftdicht abgedeckt werden (Plastikfolie + Blut = relativ dicht) und in diesem Fall den Hund unbedingt auf die verletzte Seite legen !! Nur so kann die gesunde Lungenhälfte optimal arbeiten und der Hund wenigstens so gut wie möglich atmen.

Druckverband

Blut hat stark färbende Eigenschaften. Daher scheint die sichtbare Menge oft größer als die meßbare. Offensichtlichen starken Blutfluß oder arterielle Spritzblutung (beachte: Die Herzfrequenz läßt sich einfach an dem Takt des Spritzens erkennenJ) müssen gestoppt werden. Reicht die Zeit und ist vorhanden sollte ein Druckverband angelegt werden. Dazu wird zuerst eine Sterile Wundauflage aufgebracht mit einigen Bindenwicklungen fixiert. Dann wird ein Polster aufgelegt (Packung Taschentücher, eine weitere Binde, Geldbeutel, ...) fest mit der Binde umwickelt. Solcher Verbände lassen sich fast nur an den Gliedmaßen anlegen. Ist nichts zur Hand kann man versuchen, das betroffene Gefäß mit den Finger zusammenzudrücken. Leider ziehen sich zerissene Blutgefäße zusammen und sind dann in der Wunde schwer auffindbar

Der Schock ist ein körperlicher Ausnahmezustand, in dem der Körper sich bemüht, die absolut lebensnotwendigen Organfunktionen aufrecht zu erhalten.

Es durch Verengung des Blutgefäßlumens (Vasokonstriktion) zu einer Zentralisation des Blutflusses. Nur noch Lunge, Leber und Gehirn werden optimal mit Blut versorgt. Alle anderen Organe arbeiten auf Sparflamme. Wir können eine Verlängerung der kapillären Füllungszeit bei oft blasser Schleimhaut feststellen.

Ein Schock kann zahlreiche Ursachen habe; man bezeichnet ihn dementsprechend (wird ausführlich im Sanitätslehrgang besprochen, hier nur eine Aufzählung):

Volumenmangelschock (absolut: Blutung, Verbrennung; relativ: Vergiftung, nach Unterkühlung), kardialer Schock (Herzleistungsschwäche), allergischer Schock, septischer Schock, ...

Die Magenverdrehung

 

Die Magendrehung ist ein akuter Notfall !! Nur eine schnellstmögliche tierärztliche Behandlung kann zu einer Heilung führen.

V.a. große Hunde (typische Rassen: Dogge, DSH, Boxer, Labrador) neigen zu dieser Erkrankung. Ihre Ursachen sind nicht genau geklärt. I.d.R. treten erste Anzeichen 2-6 Stunden nach einer Fütterung auf. Bewegung mit vollem Bauch scheint begünstigend zu wirken. Es kommt durch Motilitätsstörungen oder Aufgasung zu einer Drehung des Magens um seinen Speiseröhreneingang. Die eng mit dem Magen verbundene Milz ist oft mitbeteiligt. Dadurch wird der Magen nach vorne und hinten zuerst teilweise, später zunehmend verschlossen. Biochemische Reaktionen führen zu Gasbildung und damit festeren Verschluß der Drehung. Die dickwandigen Arterien werden zunächst nur wenig beeinträchtigt, aber über die dünnwandigen Venen kann das Blut bald nicht mehr abfließen (Blutstau mit Unterversorgung, später Absterben der Magenwand). Dieser „Blutverlust", die zunehmende Atembeinträchtigung durch den riesigen Magen und der Druck des Magens auf die große Hohlvene (s. Herzdruckmassage) führen zu einer hochgradigen  

 

Kreislaufschwäche.

Anzeichen: Umfangsvermehrter Bauch, wenig erfolgreicher Versuch zu Erbrechen, zuerst Unruhe, später hochgradige Schwäche, Apathie und Mattigkeit mit trommelförmig aufgespanntem Bauch.

EHM: Sofort zu einem entsprechend ausgestatteten Tierarzt oder zumindest zum nächsten Tierarzt, welcher unbedingt eine Erstversorgung (Infusion, Gas ablassen) vornehmen soll.

Kälteschäden: Unterkühlung, Erfrierungen

 

Bei den Kälteschäden unterscheidet man zwischen Unterkühlung (ganzer Körper) und Erfrierungen (Körperteil).

Unterkühlungen treten bei dünnhaarigen, dünnhäutigen und schmalbrüstigen langbeinigen Hunden und bei Welpen bedeutend schneller. Diese Hunde (außer den Welpen) haben ein ungünstiges Verhältnis zwischen Körperoberfläche und Körpervolumen und eine mangelhafte Isolationsschicht (Fett und Fell).

Der Körper versucht durch Regulationsmaßnahmen die ihm verbliebene Wärme zu halten. Durch Verengung der Haut- und Muskelgefäße wird die Wärmeangabe an die Umwelt verringert und die Körperkerntemperatur möglichst lange gehalten.

Anzeichen: Muskelzittern, Zusammenrollen oder Rücken aufwölben, später Apathie, Schwäche, verlangsamte Atmung, Bewußtlosigkeit, Tod.

EHM: Im Anfangsstadium Bewegen, ins Warme bringen, warme Getränke (Milch, Futterbrei). Später (kein Muskelzittern mehr) auf keinen Fall mehr bewegen. Die Bewegung führt zu einer besseren Durchblutung des bewegten Körperteils. Damit sinkt die Körperinnentemperatur und der Patient stirbt. Zudecken, um weitere Verluste zu vermeiden, laaangsames aufwärmen, am Besten mit Körperwärme, da jede schnelle Wärmezufuhr den gleichen Effekt wie Bewegung verursacht.

Erfrierungen führen durch Gewebezerstörung zu ähnlichen Veränderungen wie Verbrennungen ohne offenes Feuer. Gefriert ein Körperteil, kann er abfallen. In unseren Breiten sind Erfrierungen selten.

EHM: Je nach Zustand vorsichtig aufwärmen oder gefroren lassen und zur Amputation zum Tierarzt. Sonst kann es durch die Blutzufuhr beim Erwärmen zu einer Vergiftung mit Todesfolge kommen.

Quelle: www.hundekosmos.de