Clickerraining


CLICKER-TRAINING IST...

 

...eine ist eine einfach zu erlernende Methode, seinem Hund zu sagen, welche seiner Verhaltensweisen erwünscht sind – und damit gleichzeitig eine hoch effektive Ausbildungsmethode. Es basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Verhaltensforschung und orientiert sich daran, wie Tiere lernen. In den USA als Ausbildungsmethode für Tiere alle Art schon längst etabliert, ist das Clickertraining auch hierzulande langsam auf dem Vormarsch.

 

Das Clicker-Training ist quasi universal einsetzbar: Es eignet sich für die Grunderziehung genauso wie für verrückte Kunststückchen und Tricks, die dank des Einsatzes des Clickers zum Kinderspiel werden. Hundesportarten können damit trainiert werden. Problemverhalten kann damit angegangen werden. Das Clicker-Training, bei dem auf jede körperliche Einwirkung oder Korrektur verzichtet wird, ermöglicht auch den Zugang zu verhaltensgestörten Tieren und lockt scheue Tiere aus der Reserve. Man kann sich dem Hund verständlich machen, ohne Ängste zu wecken.

 

Als Lernen am Erfolg ist das Clicker-Training eine durch und durch positive Methode. Es motiviert Hund und Mensch, denn es macht beiden Spaß: Während des Clicker-Trainings lernt der Hund zu lernen! Er wird also quasi "vom Befehlsempfänger zum aktiven Partner".

 

UND WIE FUNKTIONIERT DAS?

 

Um es mal vorweg zu nehmen: Clickertraining ist keine Hexerei, auch keine Wunderwaffe, die alle Hundeprobleme schlagartig beseitigt, kein Werk eines "Hundeflüsteres", keine Sportart und auch keine Neuentdeckung im Sinne eines Modetrends: Ganz nüchtern gesehen ist Clickertraining schlichtweg die Übertragung allgemeingültiger, lerntheoretischer Grundlagen in die Hundewelt – in der sie Jahrzehntelang sträflich missachtet worden sind. Um zu verstehen, was hinter dieser Ausbildungsmethode steckt, wie und warum sie so effektiv ist, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und machen Sie mit uns einen Ausflug in die faszinierende Welt der Verhaltenskunde und der Lerntheorie, deren Verständnis uns einen ganz neuen Zugang zu unseren tierischen Hausgenossen erlaubt.

 

Fangen wir damit an: Grundlage für das Clickertraining ist das Training auf Basis positiver Bestärkung. Doch was verbirgt sich dahinter?

Bestärkung des erwünschten Verhaltens als effektivste Art, Verhalten zu beeinflussen

Ein Satz, den Sie sich merken sollten: Verhalten wird bestimmt von seinen Konsequenzen. Das gilt natürlich auch für Ihren Hund (genau so, wie es für uns Menschen übrigens auch gilt). Und was heißt das? Belohnen Sie ein Verhalten, wird Hund es wieder zeigen. Das ist unser Schlüssel für das Training.

 

Halt, werden Sie sagen, entsprechend heißt es doch auch "Bestrafen wir den Hund für ein Verhalten, zeigt er es nie mehr." Das stimmt - rein theoretisch. Allerdings ist es systembedingt kaum möglich, "richtig" zu strafen, nämlich so, dass das Verhalten nie mehr auftaucht. Damit Strafe so wirkt, müssen Sie dafür nämlich IMMER, SOFORT und außerdem so HEFTIG strafen, dass das unerwünschte Verhalten nie mehr auftritt. Allein das ist schon aus rein technischer Sicht mit erheblichen Schwierigkeiten behaftet. Und dann kommen noch die Nebenwirkungen der Bestrafung hinzu: Ihr Hund ist gestresst – und unter Stress ist Lernen kaum möglich. Außerdem geben Sie Ihrem Hund durch Bestrafung keinerlei Informationen darüber, welches Verhalten denn nun tatsächlich erwünscht ist. Und ganz entscheidend: Unsere Hunde sind Weltmeister im Verknüpfen. Und deshalb verbinden sie leicht alles, was in den Momenten der Bestrafung um sie herum passiert, mit der momentanen Situation. Ein Beispiel: Ihr Hund schnüffelt neben einer Parkbank, auf Ihr Rufen kommt er nicht. Sie werfen zur Strafe die Wurfkette oder vielleicht auch die Leine nach ihm. Hund erschrickt sich - und könnte sich gemerkt haben: Parkbänke sind gefährlich. Mit etwas Pech bekommen Sie so einen unsicheren Hund, der vor allen möglichen Dingen des Alltags Ängste entwickelt. Das muss nicht passieren, kann aber. Aber nun Schluss mit unseren kleinen Exkurs in Sachen Strafe

 

Wie gesagt: Wesentlich effektiver und auch nebenwirkungsfrei lässt sich arbeiten, in dem wir das ERWÜNSCHTE Verhalten BESTÄRKEN. Das heißt, wir belohnen dieses Verhalten, denn Verhalten, das sich für ihn lohnt, wird Hund als professioneller Egoist erneut zeigen. Bestärkt wird mit dem, was Hund interessiert, zum Beispiel Leckerchen oder Spiel. Diese werden dann "primäre Bestärker" genannt.

 

Auf das Timing kommt es an!

 

Was müssen wir nun beachten, wenn wir ein erwünschtes Verhalten bestärken wollen? Egal, wie wir auf ein Verhalten unseres Hundes reagieren: Wir müssen schnell sein – blitzschnell. Denn unsere Vierbeiner sind nicht in der Lage, lange Zeit die Verbindung zwischen ihrem Verhalten und unserer Reaktion darauf darzustellen. Genau gesagt, können sie das noch nicht einmal eine kurze Zeit. Man spricht von ungefähr 1 Sekunde, die wir Zeit haben, unseren tierischen Hausgenossen mitzuteilen, wie wir ihr Verhalten finden. Nun geraten wir schon in Schwierigkeiten. Nehmen wir an, unser Hund ist weit von uns entfernt, sieht einen Hasen, er macht Ansätze, hinterher zu laufen Wir rufen ihn - und er schaut sich um und bleibt stehen. Super! Aber nun schaffen Sie es mal, einen Sprint einzulegen, innerhalb einer Sekunde bei ihm zu sein und ihm seine Belohnung zu präsentieren, denn Sie möchten natürlich, dass er eben dieses Verhalten beim nächsten Hasen wieder zeigt. Anderes Beispiel: Unser Hund soll - vielleicht für einen Obedience-Wettkampf - lernen, perfekt bei Fuß zu laufen. Seine Schulter soll exakt parallel zu unserem Bein sein - wohin wir auch gehen. Wir haben einen sehr quirligen Hund, der mal etwas voraus ist, mal etwas dahinter. Allerhöchstens mal für einen Bruchteil einer Sekunde befindet er sich in der richtigen Position. Ehe wir nur Luft geholt haben, um ihn dann verbal zu loben oder nach einem Belohnungs-Leckerchen greifen, ist er schon längst wieder in einer anderen Position. Er wird sich zwar über eine Belohnung freuen, aber nicht wissen, wofür er sie genau bekommen kann (und damit auch nicht, wie er es beeinflussen kann, sie noch einmal zu bekommen). Sie ahnen nun wahrscheinlich, was wir nun brauchen: Eine Art Brücke zwischen dem erwünschten Verhalten und dem Zeitpunkt, in dem wir die Belohnung präsentieren. Etwas, was dem Hund signalisiert: "Das, was du in genau diesem Moment tust, ist richtig, du bekommst jetzt gleich eine Belohnung dafür!"

 

Das Werkzeug dafür: Der Clicker

 

Lange genug um den heißen Brei herumgeredet: Hier kommt nun endlich der "Clicker" ins Spiel, der dieser Ausbildungsmethode seinen Namen gegeben hat. Er fungiert als genau die schon erwähnte Brücke zwischen dem erwünschten Verhalten und dem Überreichen der Belohung an unseren Hund. Als Gegenstand ist der Clicker nichts weiter als ein Knackfrosch, den Sie wahrscheinlich aus Ihrer Kindheit noch kennen und wie es ihn heutzutage immer noch im Spielwarenladen für ein paar Pfennig zu erwerben gibt. Für die Hundeausbildung wird meistens ein "Boxclicker" verwendet, eine etwas komfortablere Ausführung des Knackfrosches. Ob Knackfrosch oder Boxclicker: Entscheidend ist, dass das Geräusch, das er von sich gibt, kurz und prägnant ist (rein theoretisch könnten Sie auch einen Elektropieper nehmen oder eine Hupe oder eine Pfeife, aber wir reden hier mal einfach weiter über den Clicker, weil er am praktischsten ist). Mit dem Geräusch des Clickers, dem kurzen "Click-Clack", wird es nun möglich, dem Hund exakt im richtigen Moment mitzuteilen, was uns an seinem Verhalten gefällt und wofür er eine Belohnung erhält.

 

Das "Click-Clack" bedeutet für Ihren Hund also: "Das, was du jetzt gerade machst, ist gut. Du darfst das Verhalten nun beenden und dir dafür eine Belohnung abholen". Das Geräusch des Clickers wird für den Hund damit zu einem sogenannten "sekundären Bestärker". Aber diese Fachterminologie brauchen Sie sich um Grunde noch gar nicht merken. Hauptsache, Sie haben das Prinzip verstanden. Übrigens: Sicher waren Sie schonmal in einem Delphinarium? Das Pfeifen der Delphin-Trainer hat keine andere Bedeutung als das "Click-Clack" unseres Clickers! Nicht zuletzt den Dephintrainern haben wir es übrigens zu verdanken, dass diese hoch effektive Art der Ausbildung von Tieren auch Einzug in die Hundewelt gehalten hat.

 

"Click" - was interessiert's meinen Hund?

 

Natürlich hat das Geräusch des Clickers zunächst einmal überhaupt keine Bedeutung für Ihren Hund, ist ein Geräusch wie jedes andere auch. Er muss erst lernen, das Geräusch mit etwas Angenehmem zu verknüpfen. Einstieg ins Clicker-Training ist deshalb die sogenannte "Konditionierung" des Clickers. Erinnern Sie sich aus Ihrer Schulzeit an Pawlow, die Glocke und die sabbernden Hunde? Zur Auffrischung: Immer, bevor’s Essen gab, läutete der Verhaltensforscher eine Glocke. Bald reichte schon alleine das Läuten der Glocke aus, damit den Hunden buchstäblich das Wasser im Munde zusammen lief. Ähnlich funktioniert’s auch bei der Konditionierung des Clickers: Mensch betätigt den Clicker, und unmittelbar nach dem Click gibt man dem Hund eine Belohnung. Diese Verkettung "Click + Belohnung" (im folgenden als C&B bezeichnet) zwanzig / dreißig Mal hintereinander – und schon ist die Verknüpfung hergestellt. Das "Click" bedeutet ab jetzt für den Hund: Eine gute Sache kommt gleich! Die meisten Hunde haben das blitzschnell begriffen. Das Geräusch des Clickers hat nun für den Hund eine bestärkende Bedeutung. Und ist ein Versprechen! Deshalb auch niemals clicken, ohne eine Belohnung zu geben.

 

Aber könnten wir dafür nicht auch unsere Stimme nehmen?

 

Schön und gut, mögen Sie sagen, aber wofür brauche ich so einen kleinen Kasten, ich kann doch genau so gut meine Stimme nehmen. Rein theoretisch ja. Natürlich können Sie auch ein "Superwort" konditionieren, das genau die gleiche Bedeutung hat wie das Click-Geräusch. Allerdings ist der Clicker viel präziser, als es die Stimme je sein könnte. Auch das lässt sich an einem praktischen Beispiel am besten verdeutlichen: Nehmen wir an, Sie möchten Ihrem Hund das Apportieren beibringen. Er soll zunächst einmal einen Gegenstand in der Schnauze tragen. Ihr Hund nimmt den Gegenstand zunächst nur ganz kurz auf und lässt ihn gleich wieder fallen. Weil sie möchten, dass Ihr Hund begreift, wofür Sie ihm die Belohnung geben, damit er dieses Verhalten wiederholt zeigt, müssen Sie ihn genau in dem kurzen Moment bestärken, in dem er den Gegenstand in der Schnauze hält – auch wenn es nur Bruchteile von Sekunden sind. Während Sie nun noch Luft holen, um Ihr "Superwort" zu sagen, öffnet sich die Schnauze, der Gegenstand fällt zu Boden und Sie sind zu spät – und bestärken unbeabsichtigt noch das Loslassen des Gegenstandes. Mit dem Clicker jedoch können Sie erheblich präziser arbeiten – und jedes noch so kleine Verhaltensdetail herausarbeiten. Ihr Hund begreift schneller, was Sie von ihm wollen, und lernt entsprechend beschleunigt.

 

Und los geht's: Verhalten präzise bestärken

 

Wir können nun dank Clicker momentgenau jegliches erwünschtes Verhalten "einfangen" und belohnen, das der Hund zeigt: das zufällige sich Setzen oder sich Legen, den Blickkontakt, das Berühren eines Gegenstandes mit der Schnauze, das Heben einer Pfote, das Schütteln des Kopfes usw... Und weil Hunde nicht dumm sind, wird unser Schüler das bestärkte Verhalten schnell wiederholen, um erneut belohnt zu werden. Wir brauchen dabei noch nicht einmal etwas zu sagen (ein Signal führen wir erst später ein, wenn das Verhalten "sitzt"): Er tut es von selber! Ein für viele Clicker-Einsteiger beeindruckendes Beispiel ist das Erlernen des "Platz": Damit Hund sich hinlegt, wird in der herkömmlichen Hundeausbildung gerne Hand angelegt – da werden im Sitzen die Beine weggezogen, oder Hund wird gar an der Leine aus dem "Sitz" ins "Platz" gezerrt. Die Konsequenz: "Platz" ist häufig negativ behaftet, wird ungern ausgeführt und oft vom Hund gar nicht verstanden (er wurde ja immer hingelegt und musste es nie selber machen). Nun legt sich aber jeder Hund irgendwann einmal von selber hin. Wir stehen mit dem Clicker daneben: Click & Belohnung! Seien Sie sicher, dass es im Hundekopf anfängt zu arbeiten - spätestens, wenn Sie das zufällige Hinlegen ein paar Mal eingefangen haben. Und Ihr Hund wird Ihnen künftig gerne das "Platz" anbieten.

Das nur als Beispiel.

 

Verhalten formen: das "Shaping"

Hier tut sich möglicherweise schon die nächste Frage auf: Verhaltensweisen "einfangen", schön und gut. Aber wie ist das denn mit Übungen, die komplizierter sind und die unser Hund nicht von sich aus zeigt? Nehmen wir noch einmal das Apportieren als Beispiel - und das soll so aussehen: Sie werfen ein Holz oder einen Ball, Ihr Hund läuft hinterher, bringt ihn zurück und legt ihn in Ihre Hand. Nun denkt Ihr Hund aber gar nicht daran, Ihnen zufällig den perfekten Apport zu zeigen, damit Sie ihn bestätigen können, sondern macht sich mit dem Apportiergegenstand aus dem Staube oder interessiert sich erst gar nicht dafür. Da können wir warten, bis wir schwarz werden: Hund würde das erwünschte Verhalten als Endprodukt nie von sich aus zeigen.

 

Nun kommt ein weiteres Prinzip des Trainings auf Basis positiver Bestärkung ins Spiel: das sogenannte "Shaping", das Formen von Verhaltensweisen. So wie wir einem I-Männchen zuerst das kleine Einmaleins beibringen, ehe es nach und nach an kompliziertere Übungen herangeführt wird, erwarten wir von unseren Hund auch nicht gleich das perfekte Endprodukt eines Verhaltens. Vielmehr bestärken wir zunächst den kleinsten Ansatz in Richtung des erwünschten Verhaltens. Den formen wir dann mit Hilfe des Clickers in die gewünschte Richtung und Perfektion. Dabei erhöhen wir Stückchen für Stückchen unsere Anforderungen an das vom Hund gezeigte Verhalten. Aus dem leisen Fiepen wird so das laute Bellen auf Kommando, aus dem zufälligen Stehen neben dem Besitzer wird das Gehen eng bei Fuß, aus dem Heben einer Pfote wird das gezielte Drücken einer Taste, und das kurze "Sich-Hinlegen" wird zu einer zehnminütigen Bleib-Übung. Jede Übung wird dabei in einzelne Schritte zerlegt, die so klein sind, dass unser Hund immer Erfolg haben kann und dadurch blitzschnell lernt, was wir von ihm wollen. Und - haben Sie schon eine Idee, was nun mit unserem perfekten Apport ist? Nun, das sähe dann etwa so aus, dass wir zunächst das Berühren eines Gegenstandes, der in unserer Hand liegt, trainieren, dann das Aufheben und Loslassen dieses Gegenstandes in unserer Hand, in einem nächsten Schritt dann das Aufhaben und Hergeben des Gegenstandes, wenn er vor unseren Füßen liegt, dann das Herbeibringen aus etwas größerer Entfernung - und so weiter. Die Schritte können gar nicht klein genug sein.

Grau ist alle Theorie: Shaping mit Mops Pelle

In unserer Bildserie zeigt Mops "Pelle", wie das Shaping funktioniert. Wir haben dafür eine Übung ausgewählt, die Pelle vom Ablauf her überhaupt nicht vertraut ist, gleichzeitig aber sehr einfach und dazu geeignet ist, das Prinzip des Shapings zu verdeutlichen: Seine Besitzerin möchte, dass er selbständig auf die Kante des Sandkasten steigt und darauf eine Runde läuft. Wohlgemerkt: Selbständig, also ohne dass sie ihn lockt oder in irgendeiner Form auf ihn einwirkt. Es geht hier ausschließlich darum, zu verdeutlichen, wie Verhalten durch seine positive Bestärkung und das schrittweise Erhöhen der Anforderungen geformt werden kann:

Pelles Frauchen clickt und belohnt ihn für jeden Schritt in die richtige Richtung: Zuerst für das Anschauen und Beschnuppern des Sandkastens. Weil er dafür belohnt wurde, wiederholt Pelle dies und wird wieder belohnt. Aber sein Frauchen möchte mehr. Deshalb wartet sie nach ein par Malen einfach ein wenig mit dem Click. Pelle, nicht dumm, wird aktiv. "Komisch, warum clickt sie denn nicht mehr?" würde er wohl fragen, wenn er fragen könnte. Er beginnt auszuprobieren. Setzt eine Pfote auf den Rand. "Click". Pelle darf sich bei Frauchen ein Leckerchen abholen. Erneut geht er zum Sandkasten und wiederholt seine Handlung, denn er möchte wieder belohnt werden. "Click & Leckerchen". Nach ein paar Mal erhöht Frauchen die Anforderungen erneut und wartet wieder. Pelle probiert weiter und klettert schließlich auf den Rand. "Click". Pelle holt sich sein Leckerchen und steigt wieder auf den Rand. "Click" & Leckerchen. Im nächsten Schritt wartet Pelles Frauchen darauf, dass er sich auf dem Rand des Sandkastens in Bewegung setzt – und er tut es! "Click" & Jackpot (besonders große Belohnung) für Pelle! Der gelehrige Mops braucht kaum fünf Minuten dafür, um zu begreifen, was sein Frauchen von ihm will.

 

Letzte Zweifel plagen Sie: Werde ich jetzt zum Futterautomaten, zum Sklaven meines Hundes?

Mops Pelle hat Sie beeindruckt. So schnell kann Lernen vor sich gehen – und macht dabei noch Spaß! Aber irgendwie haben Sie doch noch ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengrube. Hat Ihnen nicht letztlich noch ein vermeintlicher "Hundeexperte" gesagt, dass es "gefährlich" ist, wenn Sie Ihren Hund mit Leckerchen belohnen, und man überhaupt vorsichtig mit Motivationsmitteln sein solle – sonst gehorche der Hund nur noch deswegen? Und dass es unmöglich sei, auf Strafe und Korrektur zu verzichten - und Sie lieber darauf achten sollten, Ihrem Hund zu zeigen, wer hier der Boss ist, damit er nicht zu "dominant" wird?

 

Zu Ihrer Beruhigung erlauben Sie uns hierzu ein paar Anmerkungen: Leider wird Autorität in der Hundeausbildung vielfach noch mit Zwang und Härte gleich gesetzt. Gehorcht der Hund nicht, gilt er als "dominant", sein Wille muss gebrochen werden. Das gilt dann im schlimmsten Fall als Rechtfertigung dafür, dass Wurfketten fliegen, Stachelhalsbänder, Teletakte oder Luftdruckhalsbänder zum Einsatz kommen oder kräftig an der Leine geruckt und der Hund mit lauter Stimme zur Raison gebracht wird. Dabei sind vermeintlich "dominante" Hunde in vielen Fällen nur unerzogen und es fehlt ihnen schlichtweg an konsequentem Training. Und häufig beherrscht ein Hund, der "nicht gehorcht", seine Aufgabe einfach noch nicht richtig, hat sie noch nicht genug geübt. Und dafür sind allein wir als seine Menschen zuständig. Unseren Hund für unsere Versäumnisse zu bestrafen, ist also äußerst unfair.

 

Das Training auf Basis positiver Bestärkung ist alles andere als antiautoritär. "Ressourcenkontrolle" heißt das Zauberwort, mit der wir ganz souverän unsere "Vorrangstellung" sichern. Ohne unsere Einwilligung läuft nichts: Kein Essen, kein Spiel, nichts. Denn wir kontrollieren den Zugang zu allem, was dem Hund Spaß macht. Damit Hund daran kommt, muss er etwas für uns tun. Und zwar zuerst. Und was die Sache mit den Leckerchen angeht: Ist nicht gerade das Arbeiten für Belohnung ein Zeichen unserer Ressourcenkontrolle? Wir geben ihm schließlich NICHT sein komplettes Futter, ohne dass er etwas dafür tun muss, aus dem Napf wie auf einem goldenen Tablett serviert, sondern lassen ihn für einen Teil seiner Ration arbeiten. Oder gibt vielleicht Ihr Chef Ihnen Ihren Lohn einfach so, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen? Und anders herum gefragt: Arbeiten wiederum Sie für Ihren Chef ganz umsonst? Und haben Sie den "Hunde-Experten", der Sie vor den Gefahren der positiven Bestärkung gewarnt hat, auch ausschließlich mit verbalem Lob honoriert?

Damit Sie vollends beruhigt sind: Machen Sie sich noch mit einem weiteren Grundprinzip des Clickertrainings vertraut

 

Das Geheimnis der variablen Bestärkung: vom Futterspender zum Spielautomat

Ein Click ist ein Versprechen, haben wir gesagt. Das heißt, jeder "Click" muss eine Belohnung bringen. Wer aber meint, ab jetzt und für den Rest seines Lebens nur noch wandelnder Futterautomat zu sein, liegt falsch. Das Stichwort heißt hier "variable Bestärkung": Ist ein Verhalten erst einmal eingeübt, wird es immer seltener und schließlich nur noch unregelmäßig bestärkt. Das senkt nicht etwa die Motivation, sondern ist für den Hund hochgradig spannend. Wir Menschen kennen das wohl: Welchen Reiz hätte sonst der Spielautomat gegenüber dem Cola-Automaten, wo’s jedes Mal was gibt für’s Geld....?

 

Was ist so "anders" an "Clickerhunden"?

 

Unser Kreis schließt sich langsam: "Wer noch nie mit seinem Hund geclickert hat, der hat nie sein wirkliches Potenzial kennen gelernt" haben wir am Anfang Birgit Laser zitiert. Und das stimmt! Die Hunde sind beim Clickern in der Regel hochmotiviert. Sie sind mit Feuereifer und enormer Konzentration bei der Sache. Clickerhunde sind kreativ, aktiv, entspannt und fröhlich. Sie müssen keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Eine ideale Atmosphäre für schnelles Lernen! Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die grauen Zellen Ihres Hundes in Bewegung setzen. Wie er versucht, mitzudenken. Wie er nicht nur passiv das Training "über sich ergehen" lässt und auf das, was Sie tun, reagiert, sondern die Zusammenarbeit mit Ihnen genießt und ihr entgegen fiebert. So unglaublich das auch klingen mag: Probieren Sie es aus! Sie werden möglicherweise Fähigkeiten an Ihrem Hund entdecken, die Sie nicht für möglich gehalten haben.

 

Und das funktioniert bei meinem Hund auch???

 

Natürlich! Da fragen Sie noch? Kein Hund ist "zu alt" dafür, keine Rasse "zu stur", kein Einsatzbereich "ungeeignet".

 

Also – worauf warten Sie noch?!

 

 

Quelle: www.spass-mit-hund.de