Läufigkeit und Schwangerschaft
Läufigkeit
Hündinnen werden zwischen dem 6. und 18. Monat zum ersten Mal läufig. Stärkere Abweichungen sind je nach Rasse möglich. Die
Läufigkeit oder auch Hitze genannt ist begleitet von einer Blutung, die im Gegensatz zum Menschen nicht nach, sondern vor dem möglichen Befruchtungszeitraum der Eizelle beginnt. Vor Beginn der
Blutung kündigt sich die kommende Läufigkeit jedoch durch eine Verhaltensänderung der Hündin an. Setzt die Hündin sonst ihr Urin fast in Gänze ab, beginnt sie meist einige Tage vor der sichtbaren
ersten Blutung verstärkt zu markieren, fast wie die Rüden es tun. Sie will damit erreichen möglichst vielen potenziellen Partnern von ihrer nahenden Deckbereitschaft Kunde zu geben. Die vielen Rüden,
die oft zur richtigen Zeit am Zaun der Angebeteten auftauchen und ausharren um ihr den Hof zu machen zeigt, dass diese Einrichtung der Natur gut funktioniert
Der Sexualzyklus der Hündin
© Miguel Moreno
Die Phasen der Läufigkeit
Wir unterteilen den Sexualzyklus der Hündin in 4 Phasen.
Diese sind:
1. Die Ruhephase von etwa 60-108 Tage Dauer und Anöstrus genannt
2. Die Vorbrunst von etwa 3-15 Tage Dauer und Proöstrus genannt
3. Die eigentliche Brunst von etwa 5-15 Tage Dauer und Östrus genannt
4. Die Nachbrunst von etwa 60-65 Tage Dauer und Metöstrus genannt
5. Beginn von 1. usw.
*Da die Phasen der Hündin sehr unterschiedlich sein können, auf Durchschnittswerte beruhen und in der Literatur sehr unterschiedlich angegeben sind, habe ich entsprechende Werte mit (+-)
gekennzeichnet.
Die Ruhephase (Anöstrus)
Die Hündin verbeißt den
Rüden
© Miguel Moreno
ist mit etwa 60-180 Tage (+-) die längste Phase im
Sexualzyklus der Hündin. Wie lange sie dauert hängt von Rasse, Alter und Umwelteinflüssen ab. In dieser Zeit ist unsere Hündin im „Normalzustand". Rüden gegenüber verhält sie sich
neutral.
Die Vorbrunst (Proöstrus)
ist körperliche die Vorbereitungszeit auf die eigentliche
Brunst. Der Körper schafft die Voraussetzungen für eine mögliche Trächtigkeit. Die jetzt einsetzende Blutung der Hündin ist am Anfang bräunlich-rot und ändert dann in den nächsten Tagen ihre Farbe
immer mehr in ein dunkles rot. Die Stärke der Blutung ist sehr unterschiedlich. Nähert sich die Zeit des Eisprungs wir die Blutung immer farbloser oder hört fast ganz auf. Diese Phase dauert in etwa
3-15 Tage (+-). Je nach Rasse können Fellveränderungen auftreten und die Hündin markiert jetzt verstärkt. Für Rüden ist die Hündin jetzt sehr interessant wehrt aber entscheidende Annäherungsversuche
vehement ab (verbeißen des Rüden).
Die Brunst (Östrus)
markiert den Zeitraum in dem die Hündin den Deckakt
zulässt und der Eisprung stattfindet. Der Eisprung der Hündin liegt etwa am Beginn dieser Phase, also etwa am 2-4 Tag (+-) der Brunst. Fachlich nennt man diesen Punkt Ovulation. Die Hündin gibt nun
befruchtungsfähige Eier aus dem Eierstock (Ovarium) in den Eierstock ab. Kommt es jetzt zum Deckakt mit einem Rüden ist eine Befruchtung wahrscheinlich.
Die Nachbrunst (Metöstrus)
dauert etwa 60-65 Tage (+-) und beendet die Läufigkeit
mit dem Beginn der Trächtigkeit oder den Übergang in die Ruhephase. Der Vorher angestiegene Progesteron- und Östrogenspiegel im Blut sinkt jetzt wieder auf Normalniveau. Allerdings tut er das im
Falle der Trächtigkeit ebenso wie im Falle des Leerbleibens. (Die Abnahme der Konzentration ist sich so ähnlich, dass eine Frühdiagnose für eine Trächtigkeit hier nicht möglich ist.) Die Hündin
verweigert sich jetzt den Rüden.
Ablauf der Schwangerschaft
Nach einem erfolgreichen Deckakt könnte die Hündin nun
trächtig sein. Die Tragezeit dauert beim Haushund im Schnitt etwa 63 Tage (+- Rasse, Wurfgröße). Unsere Haushunde weisen, im Vergleich zum Menschen, einige Besonderheiten in Anatomie der Gebärmutter
und im Ablauf der Schwangerschaft auf.
Die Zygote
Nachdem der Rüde seinen Teil getan hat, wandern die Samenzellen durch die Gebärmutterhörner in den Eileiter. Dort
angekommen, dringt je eine Samenzelle in je eine Eizelle ein. Beide, Samen- und Eizelle, enthalten den jeweiligen Erbteil (Chromosomensatz) von Mutter und Vater, diese verschmelzen miteinander und
bilden einen neuen Zellkern. Die so genannte Zygote entsteht.
Die Keimblas
Wenn sich die Zygote zum ersten Mal teilt, sprechen wir nun von der Keimblase oder auch Plastozyste. Diese Keimblase teilt sich unaufhörlich und wandert dabei, im Laufe von etwa 8 Tagen durch den
Eileiter in ein Gebärmutterhorn (die Hündin hat 2). Dort angekommen hat sie, durch die vielen Zellteilungen, die Gestalt einer Brombeere angenommen (allerdings wesentlich kleiner). Jetzt nennt man
den Keimling Morula.
Die Entwicklung der Föten
Jetzt verbindet sich der Fötus mit einem gürtelförmigen
Gewebe mit der Gebärmutter schleimhaut und stellt mit der Nabelschnur die Verbindung zur Mutter her. Die Plazenta dient dem Fötus nicht nur als Quelle für seine Nährstoffe und den Sauerstoff, sondern
auch für die Abgabe seiner Abfalltoffe und zur Entsorgung von Kohlendioxyd. Frühe Anzeichen der Trächtigkeit sind das Festerwerden der Zitzen und die beginnende Entwicklung des Gesäuges. Mittels
Ultraschall-Untersuchung kann die Trächtigkeit festgestellt werden.
Die Nidation
Die Murola erreicht nun die Gebärmutter und wir nennen
sie nun Blastula. Diese Blastula kann sich nun in die vorbereiteten Schleimhäute einnisten (Nidation). Das Embryonalwachstum kann beginnen
Die folgenden Informationen sollen nur einen Überblick
über die Unterschiede und Besonderheiten in der Fortpflanzung der Hunde geben. Wer ernsthaft und verantwortungsbewusst züchten möchte kommt um weitreichende Kenntnisse des Verhaltens, der Anatomie,
von Rüde und Hündin, um die Einhaltung von Bestimmungen und Anforderungen an einen Züchter nicht herum. Die Mitgliedschaft in einem seriösen Zuchtverein der gewünschten Rasse und die Einhaltung des
Tierschutzgesetzes sollten selbstverständlich sein.